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Biografisches

 


Meine Kindheit und Jugend habe ich in jenem Teil Polens verbracht, der über 120 Jahre bis zum Jahr 1919 zu der Österreichisch-Ungarischen Monarchie gehörte. Ich erwähne es, weil es damals noch sehr viele Spuren der alten Ordnung gab. Bis heute sogar gibt es deutliche Spuren, übrigens in ganz Polen, die den Einfluss der drei Mächte, Russland, Preußen und Österreichische Monarchie bezeugen. Das sowohl in der Architektur, auch in der Verwaltung und Wirtschaft, vor allem aber unverkennbar in der der Mentalität der Bevölkerung.

Diese Einflüsse sind nicht immer positiv, aber gerade das Teschener Schlesien hat von der Zugehörigkeit zur Österreichischen Monarchie vielfältig profitiert. Diese vergangene Monarchie vergleiche ich – auf der Ebene der Idee – mit der Europäischen Union, ich sehe diese als Vorläufer der heutigen Entwicklung. Fatalerweise war diese Monarchie mit einem Makel der besonderen Art versehen: Die Zugehörigkeit war nicht freiwillig...

So verbrachte ich meine Kindheits- und Jugendjahre in einer schönen kleinen Stadt. Ihre besten Jahre lagen noch nicht so weit zurück. Wir lebten jedoch in dem langen Schatten des 2. Weltkrieges: Das war die erzwungene Zugehörigkeit zur sowjetischer Einflusszone. Somit war die Kindheit nicht unbeschwert, als wenn ich sie heute als gut in Erinnerung habe. 

Die frühe Jugend, noch in meiner Geburt sstadt Cieszyn (Teschen), war jedoch vom abfallenden Lebensstandard und immer stärker empfundener Unfreiheit gekennzeichnet. Die Aufnahme des Studiums an der Breslau er Universität – die Lemberger Jan Kazimierz-Universität ist nach dem Krieg nach Breslau umgesiedelt worden – hatte insofern eine große Bedeutung für mich, da ich in einem Umfeld lebte, das die Unfreiheit und Unterdrückung vergessen ließ. So hatte ich noch die Professoren aus der Vorkriegszeit erleben dürfen. Vor allem war es Prof. Maria Kokoszyńska-Lutmanowa, die mein Denken und somit mein ganzes Leben beeinflusst hat.

Bald kam das Jahr 1968 und mit ihm die erste Revolution dieses berühmten Jahres. Die Revolution – wir Studenten waren die treibende Kraft dieser – endete mit einem regelrechten Überfall der Staatsmacht auf die Autonomie der Universitäten und Hochschulen. Die Staatsmacht hat das Streben der Intelligenzja nach mehr Freiheit – im erster Linie nach Beseitigung der Zensur – für eine antisemitische Aktion genutzt, die zigtausende Juden in die Emigration zwang. Der Widerstand im Land war seit diesen Ereignissen nur im Untergrund möglich.

Eine neue Zeit brach für mich mit der bewussten Entscheidung für die Emigration an. Da ich nicht ungern die Einsamkeit, um nicht zu sagen die Isolation suche, war ich gut gerüstet für das neue Leben in einem wenig bekannten Land. So bin ich zum Wanderer zwischen den Kulturen geworden. Es ist eigentlich ein "Dazwischen-Leben". Dieser Zustand gefällt mir: Er gibt eine unerwartete geistige Freiheit.


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