Wenn Utopien Wirklichkeit werden
Nach Hiroshima war der Optimismus, die Atomenergie lässt sich bändigen und friedlich zum Wohle der Menschen nutzen sowohl im Westen als auch im Osten weit verbreitet. So groß die Angst vor den Atomwaffen war, so groß war auch die Hoffnung, ja Überzeugung, diese Energie, anders genutzt, wird die meisten Probleme der modernen industriellen Zivilisation lösen. Und heute, nach 65 Jahren sind die vielen Reaktoren, die noch auf der Welt genutzt werden, eigentlich schon die Arriergarde der technischen Entwicklungen des 20. Jahrhunderts. Die andauernde Katastrophe im Atomkraftwerk Fukushima gibt seit Wochen der Anstoß für Analysen, die einerseits die sozial-psychologische Seite des Umgangs mit der atomaren Realität beleuchten, anderseits einen mentalen Abschied von der Fleisch gewordenen Utopie der unbegrenzten Energiequelle einläuten. Von einer Utopie, die – wie wir jetzt sehen – einen infernalen Charakter hatte.
Neue Zürcher Zeitung, 19. März 2011, Bernd Flessner:
„Der Flaschengeit der Nachkriegszeit“
FAZ, 12. April 2011, Frank Rieger:
„Wir haben Dämonen geschaffen“
FAZ, 5. April 2011, Frank Schirrmacher:
„Sie nennen es Hysterie“
Projekt Syndicate, 13. April 2011, Björn Lomborg – über die finanziellen Aspekte der Energieproduktion überhaupt:
„Keine Atomkraft mehr?“

Über naiven Kulturpessimismus und ein fundamentales Missverständnis
Neue Zürcher Zeitung, 22. 7. 2010, Nico Luchsinger, Macht uns das Internet dümmer? Über naiven Kulturpessimismus und ein fundamentales Missverständnis: „… Das Lesen im Netz verändere unser Gehirn und mache uns dümmer, argumentiert der amerikanische Journalist Nicholas Carr in seinem neuen Buch. Die Argumentation ist nicht nur wissenschaftlich fragwürdig, sondern basiert auch auf einem Missverständnis. …“
„Macht uns das Internet dümmer?“
Tony Judt ist gestorben
Tony Judt, geb. 1948, ein bedeutender Forscher auf dem Gebiet der europäischen Nachkriegsgeschichte, ein politischer Kommentator, Autor von zahlreichen Essays, Profesor der New York University ist im Alter von 62 Jahren einem Rückenmarksleiden erlegen.
„Der Morgen bringt Erleichterung. Das sagt viel über die einsame Reise durch die Nacht, wenn die Perspektive, den ganzen Tag im Rollstuhl zu verbringen, stärkend und ermutigend ist“, so schrieb Judt in seinem Essay „Nacht“ über seine Krankheit. Tony Judt hat bis zuletzt geschrieben und veröffentlicht, zuletzt kurze Texte in „The New York Review of Books“.
„Das vergessene 20. Jahrhundert“
Böll-Stiftung
Hanser Verlage
„Politik zum Schieflachen“ – Interview mit Helmut Schmidt
Jeder Satz vom Altkanzler Helmut Schmidt bedeutet für mich ein Erkenntnisgewinn. sein pragmatisches Denken, politische Erfahrung, Lebenserfahrung – das alles gibt Orientierung in der überaus komplizierten Materie.
Cicero, 2. 8. 2010, Michael Naumann und Hartmut Palmer, Politik zum Schieflachen: „… Nationale Egoismen, das Geltungsbedürfnis aller Politiker und ihre Eitelkeiten erschweren den Weg aus der europäischen Krise. Der Alt-Bundeskanzler fühlt sich von der schwarz-gelben Koalition nicht zweckmäßig regiert. …“
Europa in der Finanzkrise

Neue Ära der Wohltätigkeit in den USA
Stifter setzen auf Forschung und Entwicklung
Es ist eine beispiellose Initiative, in der allein in Amerika ein Potential von Hunderten von Milliarden Dollar steckt. Die Vorstellung dieser Amerikaner ist, ihre Aktion würde in der ganzen Welt Schule machen. Es besteht die Hoffnung, dass sich Milliardäre aus anderen Länder eher oder später anschließen werden. Denn die Welt, besonders nach – oder noch während – der Wirtschaftskrise auf solche Hilfe angewiesen ist.
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 7. 8. 2010, Hendrik Ankenbrand und Patrick Bernau, Die großen Stifter: „… Gates geht dabei anders vor als andere Hilfsorganisationen. Er bleibt Technologie-Unternehmer - er macht sich den Markt zunutze und setzt auf Forschung und Entwicklung. Für seine Stiftung hat er das Credo von Partner Warren Buffett übernommen: „Wenn wir nicht gelegentlich Geld verlieren, sind wir zu wenige Risiken eingegangen.“ Auf diese Weise entstehen tatsächlich häufig sinnvolle Programme, die andernfalls nie ins Leben gerufen worden wären.…“
Neue Zürcher Zeitung, 7. 8. 2010, Spendable Milliardäre – «Moralische Verpflichtung» zu Wohltätigkeit im grossen Stil: „… Gates unterhält zusammen mit seiner Frau Melinda eine Stiftung, die zu den grössten karitativen Einrichtungen der Welt zählt. Bisher überliessen die beiden mehr als 28 Milliarden Dollar der Stiftung. Buffet hat angekündigt, er wolle nach seinem Tod 99 Prozent seines Vermögens für wohltätige Zwecke hinterlassen. …“
Der Tagesspiegel, 7. 8. 2010, 40 US-Milliardäre spenden die Hälfte ihres Reichtums: „… "Wir haben eigentlich gerade erst angefangen, aber wir haben schon eine gewaltige Resonanz", erklärte Buffett am Mittwoch in New York zu dem Projekt "The Giving Pledge" (Das Spendenversprechen). …“
Der Spiegel, 7. 8. 2010, Lars Halter, Amerikas Superreiche starten Spendenrevolution: „… Diese einzigartige Aktion, an der sich rund zehn Prozent aller US-Milliardäre beteiligen, dürfte schätzungsweise mehr als 100 Milliarden Dollar zusammenbringen - und das gesamte jährliche Spendenaufkommen in Amerika problemlos verdoppeln. Wichtiger noch: Die Initiative könnte eine neue Ära der Wohltätigkeit in den USA, wenn nicht sogar weltweit, einläuten. …“
„So sanieren die Milliardäre die Welt“
„The Giving Pledge“
„Die großen Stifter“
«Moralische Verpflichtung» zu Wohltätigkeit im grossen Stil

Interreligiöser Dialog
Es sind viele Wochen seit der Kulturpreisverleihung vergangen, der Streit um den Preis ist vergessen. Das ist gut so. Nicht gut ist es, dass man von einem interreligiösen Dialog weit und breit nichts hört. Für die Gesellschaft könnte es eine praktische Bedeutung haben, dass man sich mit dem Vergleich der Religionen und ihrer Brauchtümer, und deren Einfluss auf das tägliche Leben einer multikulturellen Gesellschaft in Fachgruppen beschäftigt.
Es ginge aber allen voran um theologische Fragen, die diskutiert werden müssten. Wie schwierig und mühsam es ist, haben wir nach dem Erscheinen des Essays von Navid Kermani erlebt. Ich wünschte mir, in der Kulturpresse gäbe es eine offene Debatte über Glaubensfragen der verschiedenen Religionen. Denn nur das ist wirklich interessant und zudem für die Zukunft unabdingbar.
Die Welt, 16. 5. 2009 Matthias Kamann: „...natürlich haben beide Kirchenmänner das Recht, sich keine Beleidigungen ihres Glaubens anhören zu müssen. Warum aber sehen sie nicht, dass in diesem Text der Beleidigungsdiskurs infrage gestellt wird? Gewiss, das geht bei Kermani nicht weit genug. Steinacker hat recht, wenn er vermerkt, dass Kermanis Text nicht den Regeln für einen vernünftigen Dialog der Religionen entspricht. Doch ist Kermanis Text ein bemerkenswerter Anfang der Annäherung an jene Regeln. Wer das nicht sehen mag, verpasst die Chance, jene Annäherung in Kritik und Gegenrede fortzuführen.“
Navid Kermani: „Bildansichten: Warum hast Du uns verlassen?“
Einspruch der NZZ wegen Eklat um Navid Kermani
Streit um einen Muslim, den die Kreuzigung bewegt
Necla Kelek: Kuturmysizismus
Warum ein Muslim kein Kreuzkritiker sein darf

Theater heute
Nichts hat mir so gut gefallen in dem Theatersommer des Jahres 2009 wie die berühmt gewordene Festrede von Daniel Kehlmann, »Die Lichtprobe«, die er zur Eröffnung der Salzburger Festspiele gehalten hat. Diese Rede war für mich eine große Genugtuung, um so mehr, dass ich Daniel Kehlmann besonders schätze.
Das westliche Theater hat in seiner Natur – oder Art? – einen Ursprung in der comedia dell’arte, die später in das bürgerliche Theater überging, was sich in dem Regietheater, trotz aller Absetzungsversuche, in der Tat fortsetzt. Das östliche Theater – soweit es nicht von den heutigen Moden infiziert ist – folgte einem ganz anderen Stil.
Wovon ich als jemand, der mit der Theaterkunst groß geworden ist, nur träumen kann, ist die immer noch nicht verlorene Chance, dass sich das heutige westliche Theater von dem alten Konstantin Stanislawski, von Wsewolod Meyerhold oder auch von Jerzy Grotowski, die alle darin überein stimmen, dass alles auf der Bühne die 'Wahrheit' des Lebens widerspiegeln sollte, inspirieren lassen würde.
Frankfurter Rundschau-Online, 6. 8. 2009 Kehlmann-Rede: "Wir alle tragen die Möglichkeit zu allen Leidenschaften, zu allen Schicksalen, zu allen Lebensformen in uns." Wo aber das Theater die Berührung mit der existentiellen Wahrhaftigkeit verliere, bleibe leeres Spiel und, schlimmer noch, blanke Langeweile. "Das Theater kann, von allen guten Geistern verlassen, das traurigste Gewerbe, die armseligste Prostitution sein."
Kehlmann-Rede: Die Lichtprobe
Judith von Sternburg: »Schließlich erklärte Kehlmann, inzwischen vom Salzburger Publikum bejubelt, vom Feuilleton teils scharf angegangen: Wenn die Kritik seine Argumente derartig vom Tisch fege, dann sei "das Meinungsklima tatsächlich so repressiv, dass man gar keine Diskussion mehr führen kann"«.
Noch einmal Gezucke und Geschrei
Hier noch eine heftige Kritik der Rede von Kehlmann:
Niemand buhte, niemand murrte - Peter Michalzik

Postkapitalismus
Es wird immer deutlicher, dass in naher Zukunft Entwicklungen stattfinden werden, die wir uns heute nicht richtig vorstellen können. Was wir können ist, die neuen Herausforderungen anzunehmen und nicht nur wirtschaftlich New Deal zu schaffen sondern auch eine neue soziale Ordnung. Vielleicht wird aus der Katastrophe eine neue Brüderlichkeit erwachsen? So, wie Goethe es sagt: Ich bin der Geist, der stets verneint! Und das mit Recht; denn alles, was entsteht, ist wert, dass es zugrunde geht. Ich bin der Geist, der stets verneint! Ein Teil von jener Kraft, die stets das Böse will und stets das Gute schafft.
taz.de, 6. 3. 2009 Saskia Sassen: „Um aus diesem kapitalistischen System auszusteigen, bleibt uns nur, unsere Ökonomien zu "entfinanzialisieren". In anderen Worten: den Finanzmarkt zu schrumpfen. Das ist die größte Herausforderung. Heute ist die Verschuldung der USA höher als während der Depression in den 30er-Jahren.“
„Die zentrale Frage ist daher: Erleichtert uns die Finanzkrise den Übergang in eine neue soziale Ordnung? Zumindest könnte sie dabei helfen, dass wir uns wieder auf die Arbeit konzentrieren, die tatsächlich gesellschaftlich unverzichtbar ist.“...
Digitaz-Artikel - taz.de
Michael Krüger – Schriftsteller und Verleger
Ein Zeit.de-Gespräch und ein genauso interessantes Gespräch von Radio-Bremen mit Michael Krüger: Sehr lesenswert, sehr hörenswert. In diesen eigentlich kurzen Gesprächen analysiert er vorzüglich die Situation in der Gesellschaft, die Entwicklung in den letzten 50 Jahren, der er seine Vorstellungen und Hoffnungen für dir Zukunft hinzufügt. Beide Gespräche erlauben zudem einen tiefen Einblick in seine Biografie:
23. 12. 2008 Michael Krüger, Die Zeit: „... Eine Stunde pro Woche müsste in der Schule Kindern beigebracht werden, wie man schweigt. In einer anderen Stunde müsste die Fähigkeit gelehrt werden, alleine sein zu können. Das ist nämlich auch merkwürdig, alle wollen immer zusammen sein. Dabei kann Alleinsein doch etwas Wunderbares sein. Leser wissen das natürlich. ...“
Bücher zum Trost: Ein Gespräch mit Michael Krüger

Der Mensch und seine Gier
Die neue Debatte, die mit der Finanz- und Wirtschaftskrise ausgebrochen ist, dreht sich nicht nur um die Frage, wie wir aus der Krise herauskommen, sondern, was viel wichtiger ist, um moralische und Fragen. Die Krise ist global, die Lösungsvorschläge vielfältig. Hier eine kurze Rückschau auf die Geschichte der Wirtschafts- und Sozialgedankens:
29. 12. 2008 Urs Schoettli, Neue Zürcher Zeitung: „... Die Befreiung der Massen aus der Armut wurde mit den Mitteln der Planwirtschaft angestrebt. Das Resultat war eine eher demonstrative denn reale Egalisierung, die zudem vor allem mit Hilfe eines technologischen Pauperismus erreicht wurde. ...“ „... Offensichtlich kann der Mensch nie reich genug sein, muss er danach streben, in seiner grenzenlosen Gier stets mehr zu besitzen, stets mehr zu konsumieren, ohne jede Rücksicht auf die ökologischen und sozialen Schäden seines Tuns. Warum ist dem so? ...“
Auf der Suche nach dem richtigen Mass
Neuer Regierungs- und Kommunikationsstil
Das die Regierungen und Ministerien ihre Internetseiten haben, ist nichts Neues. Sie dienen nur der aktuellen Information, denn nicht mal richtige Archive besitzen diese Internetseiten. Barack Obama geht einen 7-Meilen-Schritt nach vorne: Er kündigt an, mithilfe des Internets eine ganz neue Art zu regieren einzuführen. Lesen Sie darüber in Spiegel-Online.
19. 11. 2008 Tobias Moorstedt: ... Obama „will (...) jeden Gesetzentwurf, der keinen Notfall behandelt, einige Tage lang im Internet veröffentlichen, damit Bürger, Wissenschaftler und Firmen den Text lesen und kommentieren können - der Beginn einer Open-Source-Legislative? "Ich werde die Türen der Regierung öffnen", versprach Obama, "und Euch bitten, Euch wieder an Eurer eigenen Demokratie zu beteiligen.“
Wie Obama mit dem Netz regieren will
Hier die change.gov - Seite.

Europeana, das digitalisierte Abendland
Digitalisierte Bücher, Karten, Kunst, Alles in Allem Millionen von Exponaten kann jeder jede Zeit über die www.europeana.eu abrufen und in Ruhe bewundern, studieren und für eigene Zwecke kopieren. Und das ohne Passwort und Eintrittsgebühr! Neue Zürcher Zeitung stellt vor:
NZZ-Online, 29. 11. 2008 Joachim Güntner: „... Sind die Argumente pro Europeana nicht schlechthin unwiderleglich? Man hat dieses Projekt bereits mit der von Jorge Luis Borges imaginierten Bibliothek von Babel verglichen, wohl ihres ins Unendliche ausgreifenden Baus wegen. Enthusiasten werden ergänzen, dass die Europeana ungleich besser ist als Borges' Babel...“
Digitales Eldorado
Deutschland macht gegen Google mobil
«In der Finanzkrise rücken die Briten zusammen»
Vielleicht ist nicht alles nur schlimm an der Finanzkrise und der aufziehenden Wirtschaftskrise. Vielleicht werden die alten Werte noch einmal ihre hohe Zeit erleben? Das, was sich langsam in der Zeit der Finanzkrise ankündigt – lässt hoffen. Der Artikel in der Neuen Zürcher Zeitung ist sehr empfehlenswert:
26. 11. 2008 Georges Waser: „...Diese jungen Leute aber haben sich jetzt, in den jüngsten Monaten, bereits Übernamen wie «Boomerang Generation» und «Comeback Kids» angehängt. Was bedeutet: Sie, die vielleicht vor vier, fünf oder auch mehr Jahren aus dem Elternhaus ausgezogen sind, kehren wieder dorthin zurück – oft mit Freund oder Freundin, ja Ehepartnern und gar Kindern. Mag sein, dass sie weniger verdienen und die Miete nicht mehr bezahlen können...“
Am Ende des Booms steht die «Boomerang Generation»

Mission possible – Die politische Theologie des Barack Obama
Das amerikanische Volk ist an einem Punkt angelangt, an dem die Menschen dankbar jede Botschaft annehmen, die die Hoffnung verstärkt, dass die Wende, die kommen muss, kommen wird und auch die Krisen überwunden werden. Die Introduktion zu der erhofften und erwarteten Wende hat einen religiösen Charakter. Der Europäer schaut erstaunt und voller Neugierde... Gerade aber sind Amerikaner fähig, diese fideistische Form mit konkretem, höchst rationalem Inhalt zu fühlen.
Lesen Sie dazu Martin Meyer in der Neuen Zürcher Zeitung:
8. 11. 2008 Martin Meyer: „... Der isolierte, wirtschaftlich bedrohte und sozial unsicher gewordene «homo americanus» des weitverbreiteten unteren Mittelstands bedarf neuer Zuwendung, und sei diese vorerst bloss rhetorisch auf eine «audacity of hope» hin programmiert. Dass diese so viel Zuspruch gefunden hat, sagt zwar viel aus über den gegenwärtigen «state of the union». Ob sie auch politisch verantwortliche Umsetzung finden wird, muss sich erst weisen. Und wie sich das Wagnis der Hoffnung zu einer umsichtig realistischen Aussenpolitik hin konfiguriert, bleibt wohl noch länger zu befragen. Mission possible?“ ...
Mission possible
Die neoliberale Revolution ist definitiv an ihr Ende gekommen
Ich gebe zu, mir ist die Bedeutung des Wandels, der mit der Wahl von Barack Obama zum Präsidenten von USA beginnen kann, erst in der Wahlnacht klar geworden. Die Finanzkrise, die sich zwei Wochen vor der Wahl noch einmal zugespitzt hatte, war für deren Ausgang ausschlaggebend gewesen. Barack Obama macht den Menschen Mut, dass sie es können, sie selbst müssen es aber tun: Ihr Lebensstil, ihr Konsumverhalten, ihre Angewohnheiten grundlegend ändern. Und sie werden diese Erneuerung erreichen, denn sie leiden zu sehr unter den Schuldenbergen, die sie so gut wie verpflichtet waren anzuhäufen, um kurzfristig die Konjunktur anzukurbeln. Auch die Kreditkarten-Blase wird platzen, wie die Hypotheken-Blase geplatzt ist. Diese Modelle sind endgültig passé. Der Wandel aber ist nicht ohne Verzicht und Leid zu erreichen; er ist den Menschen aufgezwungen worden und er ist zugleich jetzt von ihnen gewollt.
Über die politischen und außenpolitischen Dimensionen des Wandels schreibt in Spiegel-Online Ralf Fücks, Vorsitzender der GRÜNEN-nahen Heinrich-Böll-Stiftung:
10. 11. 2008 Ralf Füchs: „... Mit Obamas Wahl werden die Vereinigten Staaten zugleich amerikanischer und europäischer. Sie werden amerikanischer, weil er die Werte der amerikanischen Verfassung rehabilitierte und das Selbstbewusstsein des Landes wieder aufgerichtet hat, weil er die ethnische Vielfalt Amerikas repräsentiert und gesellschaftliche Gruppen in die nationale Politik gezogen hat, die vorher abseits standen. (...) Zugleich werden sich die USA sowohl gesellschaftspolitisch wie außenpolitisch stärker an europäische Muster annähern.“
Obama-Wahl: Washington goes Europe

Die neue Erkenntnis: Der freie Markt kann nicht alle Probleme lösen
Es waren eigentlich nur Laien, die mit ihrem gesunden Menschenverstand an die Unfehlbarkeit der Entscheidungen an der Wall Street leise gezweifelt haben. Sie ließen sich jedoch schnell von Fachmänner überzeugen: Es ist zu einem Axiom geworden, dass der freie Markt sich selbst regulieren kann und wird. Heute wissen wir mehr, auch wenn wir vieles noch nicht verstehen. In der Weltpresse wird zurzeit über die Finanzkrise ununterbrochen berichtet und sie wird kommentiert; hier ein Artikel aus der NZZ-Online.
26. 10. 2008 Neue Zürcher Zeitung: „... Doch die Aussage der Notenbank-Legende bei der Anhörung ging weit über das Eingeständnis hinaus, Fehlentwicklungen nicht rechtzeitig bemerkt zu haben. Seine Ideologie habe Risse bekommen, bekannte er. Damit meinte Greenspan den Glauben, dass freie Märkte stets das bestmögliche Ergebnis hervorbringen. Eine deutlichere Abrechnung mit dieser an nahezu jeder Wirtschaftsfakultät gepredigten Lehrmeinung ist kaum denkbar als die Distanzierung durch Greenspan höchstselbst.“
Der tiefe Fall des Maestros
Die Russen kommen – mit Cash
Aleh Tsyvinski und Sergei Guriev stellen bei Project Syndikate Überlegungen an über die neue Rolle, die russische Wirtschaft in der Welt nach der jetzt zu überwindenden Finanzkrise spielen kann und spielen wird. Es geht dabei darum, und das ist wichtig sowohl für Russland als auch für den Rest der Welt, dass die neue Position Russlands nicht politisch ausgenutzt wird – gegen die Kontrahenten. Es geht darum, dass eine neue Art des Umgangs zwischen dem Osten und dem Westen geschaffen wird.
Oktober 2008 Aleh Tsyvinski und Sergiei Guriev: „... Doch muss Russlands Regierung noch eine transparente und rechenschaftspflichtige Struktur schaffen, um sein Staatsvermögen zu verwalten. Damit wird es auch dazu beitragen, andere Länder davon zu überzeugen, dass es sich bei den Plänen der Regierung um wirtschaftliche handelt, nicht um politische. ...“
Project Syndicate

Präsidentenwahlen in Zeiten der Krise
Immer mehr Kommentatoren aus den USA zur Zeit der Präsidentenwahl kommen zu der Überzeugung, dass Barak Obama schon jetzt so einen großen Vorsprung hat, dass es schon heute so gut wie klar ist, wer der 44. Präsident von USA sein wird. Joseph S. Nye gibt in Project Syndicate eine in meinen Augen besonders objektive Analyse des Entwicklungsstandes auf den heutigen Tag.
Oktober 2008 Joseph S. Nye: „... Sowohl McCain als auch Obama verfügen über beeindruckende politische und organisatorische Fähigkeiten im Hinblick auf Hard Power. Andernfalls wären sie wohl nicht dort, wo sie heute sind. Wenn es aber um Soft Power geht, um Fähigkeiten wie emotionale Intelligenz, Vision und Kommunikation hat Obama gegenüber McCain die Nase vorn. Ob sich die aufgrund des Finanzchaos misstrauisch gestimmten Amerikaner am 4. November davon beeinflussen lassen, bleibt abzuwarten.“
Project Syndicate
«Die Kritiker des Fernsehens sind seine eigentlichen Liebhaber»
Endlich! Endlich hat jemand die notwendige Kritik an der Qualität vom Fernsehen, die so viele teilen, im richtigen Augenblick ausgesprochen: Marcel Reich-Ranicki, während einer Gala, in der er selbst für sein Lebenswerk geehrt werden sollte, in Anwesenheit von mehreren Intendanten der verschiedenen Sender hat, vernehmbar für ein Millionenpublikum, scharfe Worte der Kritik an die Verantwortlichen gerichtet. Ein Tag darauf war es Elke Heidenreich, die in seine Fußstapfen getreten ist. Es ist der Umgang mit dieser Kritik das eigentlich Interessante. Es hagelt nämlich Kritik an der (so berechtigten) Kritik. Dazu ein Kommentar aus der Zeit-Online.
18.10.2008 Carolin Emcke: „... Reich-Ranicki und auch Elke Heidenreich (in ihrer leidenschaftlichen Kritik in der FAZ) haben doch vor allem eins gezeigt: dass sie überhaupt noch einen Anspruch haben. Nur wer eine hohe Erwartung hat, kann enttäuscht werden. Nur wer an die Möglichkeiten des Fernsehens glaubt, kann kritisieren, dass es unter seinen Möglichkeiten bleibt. ...“
Qualität im TV

«Die Ära des Verlegens von Fabriken ist vorbei»
Die Hoffnung der westlichen Industriellen, mit dem Verlagern von Fabriken in die asiatischen Länder die Gewinne zu steigern, wird sich auf lange Sicht nicht erfüllen, denn die asiatischen Länder wollen bald den Stand der westlichen Welt erreichen und nicht als ein Reservoir billiger Arbeitskraft dienen. Das ist eine Prognose. Masahiko Mori äußert aber in dem Gespräch mit der Neuen Zürcher Zeitung auch eine Forderung der moralischer Art.
6. 10. 2008 Gespräch mit Masahiko Mori: „...Er selber habe als Familienvertreter mit einem Aktienanteil von 5 Prozent (...) zwar ein rechtes Dividendeneinkommen, aber ein allzu am Reichtum orientierter Lebenswandel vertrage sich schlecht mit gesellschaftlichen Normen. Gewiss, die Japaner seien wohl zu stark standardisiert, aber die Amerikaner seien allzu offen, die Chinesen und Inder gar noch mehr. Deshalb wäre er durchaus für eine gewisse Regulierung der Einkommen mit Ober- und Untergrenzen, jedenfalls dann, wenn dies in unteren Einkommensschichten zu mehr Gesundheit, Bildung und Chancengleichheit führen würde.............“
NZZexecutive.ch: Wirtschaft im Gespräch
»Ein kurzer Blick auf den Monitor versetzte Henry Paulson in Atemnot«
Ganz plötzlich ist Henry Paulson zu einer der wichtigsten Persönlichkeiten der Zeitgeschichte geworden. Er steuert durch eine Finanzkrise, die ernst aber nicht einzigartig ist – so Peter Hossil und Tobias Straumann in der Weltwoche:
Ausgabe 39/08 Weltwoche: „... der Staat [strebt] keine direkte Beteiligung an den notleidenden Banken an, sondern [will] diesen die faulen Kredite abkaufen und später weiterverkaufen. ... Sollte der Plan von Henry Paulson scheitern, lauern grosse Gefahren. ... Das Modell der vorübergehenden staatlichen Bankbeteiligung hat sich bewährt. Die schwedische Regierung konnte durch ihr zeitlich begrenztes Engagement am Ende sogar einen Gewinn verbuchen. ...Paul Krugman, der amerikanische Universalgelehrte, hat in jüngster Zeit wieder auf diesen Aspekt hingewiesen. Dass Paulson diese historische Erfahrung ignoriert, muss nachdenklich stimmen.“
Die Weltwoche

»Vous êtes un homme«
Unzählige Male beschrieben und kommentiert, die Begegnung zwischen Napoleon und Goethe. Diesmal ist es Adolf Muschg, der uns anlässlich des 200en Jahrestages des Zusammentreffens in die Atmosphäre der Begegnung und des Gesprächs zweier Titanen eintauchen lässt. Neue Zürcher Zeitung:
Goethe zu Eckermann: „Da war Napoleon ein Kerl! Immer erleuchtet, immer klar und entschieden, und zu jeder Stunde mit der hinreichenden Energie begabt, um das, was er als vorteilhaft und notwendig erkannt hatte, sogleich ins Werk zu setzen.“
„Ausserordentliche Menschen, wie Napoleon, treten aus der Moralität heraus. Sie wirken wie physische Ursachen, wie Feuer und Wasser.“
«Qu'en dit Monsieur Göt»
Financial Russian Roulette
Wie ist die Zukunft des amerikanischen Finanzsystems? Ich wette, es gibt nicht einen Menschen, der die Antwort nur annähernd kennen würde. Aus dem bekannten Anlass erscheinen jedoch in letzter Zeit wichtige Analysen, die dem Leser einerseits zeigen, dass die Lage der Finanzen in der globalisierten Welt ganz und gar nicht unter Kontrolle und abgesichert ist, andererseits dass eine Lösung nicht in Sicht ist. Hier zwei interessante Beiträge zu diesem Thema:
14. 8. 2008 Paul Krugman, The New York Times:
Financial Russian Roulette
21. 9. 2008 Joseph Stieglitz, Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung:
Finanzkrise in Amerika
Appeasement bleibt anrüchig
Thomas Kielinger von der Welt-Online sprach mit Ian Kershaw aus Anlass des 70en Jahrestages des Münchener Abkommens. Unerwartet bekommt die Appeasement-Frage seit dem Einmarsch der russischen Truppen in Süd-Ossetien neue Aufmerksamkeit. Ian Kershaw vergleicht in seinem Interview die Lage aus der Zeit vor 70 Jahren mit der Situation von heute:
14. 8. 2008 Ian Kershaw, Welt-Online:
Der Fluch des Appeasements

Zwischen Orient und Okzident
Zu selten hören oder lesen wir über das philosophische Denken in der islamischen Welt. Und gar nichts über einen Austausch oder Dialog zwischen den westlichen Denkern und den islamischen Philosophen; dieser scheint wenigstens zeitweilig der Vergangenheit zu gehören. Wenn es ein Interesse überhaupt gibt, dann scheint es ein asymmetrisches Interesse zu sein: Die westlichen Klassiker der Philosophie sind in der Fachwelt des Orients bestens bekannt; von westlichen Intellektuellen ist leider Entsprechendes nicht zu behaupten. Zu diesem Thema bringt die Neue Zürcher Zeitung, Online-Ausgabe, einen überaus lesenswerten Artikel von Alessandro Topa im Feuilleton.
1. 9. 2008
Zwischen Popper und östlicher Weisheit
Das Thema Rekonstruktion in Frankfurt
Es sollte nur positiv gewertet werden, wenn auch erst nach 60 Jahren nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges einige deutsche Städte sich aufmachen, ihre verloren gegangene Bausubstanz zu rekonstruieren. Alte Häuser, die renoviert und modernisiert worden sind, sind nicht nur Schmuck der Stadt, sie sind Zeugen der Vergangenheit. Nur gut, dass im Zentrum von Frankfurt die schlechte Architektur der 60. und 70. Jahre Platz machen wird für Häuser die nach so langer Nichtexistenz rekonstruiert werden. Es dauert dann wenige Jahre und diese neuen alten Häuser werden vollständig in das Stadtbild integriert, so wie es geschehen war mit allen mühsam wieder aufgebauten Städten, Stadtviertel oder nur einzelnen Kulturdenkmäler in Warschau, Dresden, Danzig, Breslau.
29. 8. 2008, NZZ-Online:
Kostuemierte Parzellen
Vladimir Nabokovs letzter Roman
Der letzte und unvollendete Roman von Nabokov soll doch noch veröffentlicht werden. Vermutlich unter dem Titel: «The Original of Laura: Dying is fun», denn so lautet die Überschrift des Manuscripts. Der Titel ist Programm: Der sterbende Nabokov, der sein letztes Werk nicht vollenden kann, schließt in der Poetik des Romans die Begegnung mit seinem eigenen Tod ein. Darüber ist in der zeit.de und in der NZZ-Online zu lesen:
14. 8. 2008
Die Zeit-Nabokov
23. 8. 2008
NZZ-Nabokow

«Kritik des religiösen Denkens»
Nichts ist so wünschenswert, als dass es eine neue, vielleicht gerechtere Sicht auf Islam in der westlichen Welt gibt. Zur Zeit herrscht die Auffassung, dass Islam eine einheitliche, alle Aspekte des Lebens beherrschende Größe ist, die den Menschen den Sinn des Lebens und die Art, wie gelebt werden soll, vorschreibt. Die Macht des Glaubens und seiner Ausübung erreicht nicht nur den Einzelnen, sondern auch jegliche Gemeinschaften, Gesellschaften, sie reicht bis in die Grundlagen der Staaten. Eine Reflexion darüber und gewisse Selbstkritik schlug Sadik Jalal al-Azm den Arabern schon 1968. Jetzt schreibt er zu diesem Thema in der Neuen Zürcher Zeitung:
15. 8. 2008
NZZ-Der Kampf um die Bedeutung des Islam
Globale Macht- und Reichtumsverteilung im 21. Jahrhundert
Die Zeit drängt. Umdenken ist angesagt. Steigende Energie- und Lebensmittelkosten sind in den breiten Schichten der Gesellschaft die neue und schmerzhafte Realität. Folge der aktuellen globalen Entwicklung wird eine Umschichtung der Gesellschaft sein. Es sind die von uns gewählten Regierungen, die gegenwärtig über unsere und unserer Kinder Zukunft entscheiden. Für welche Strategie werden sie sich entscheiden? Zu diesem Thema lesen Sie in der Kolumne von Joschka Fischer in der Zeit.de:
4. 8. 2008
Die Zeit: Fischer-Kolumne
Der beste Abschluss für mein Kind
Die unsichere Zukunftsperspektive lässt die modernen Eltern für ihre Kinder die vorgeblich beste Schule suchen, eine Schule, die die besten Karrierechancen für die Nachkommen garantieren sollte. Wie jedes Jahr, erscheinen zahlreich zum Schuljahresanfang Presseartikel, denn die Journalistinnen und Journalisten stehen selbst als junge Eltern vor der Aufgabe, die beste Schule für ihre eigenen Kinder zu finden. Hier ein kritischer, witzig geschriebener Text von Tanja Stelzer aus der Zeit.de:
7. 8. 2008
http://www.zeit.de/2008/33/Schule-33?page=all

Das neue Deutschland
Eine Entwicklung, die seit der 80er Jahre aus Amerika bekannt ist, breitet sich seit der Wende in Europa aus: die Gentrifizierung. Diese Entwicklung, von Soziologen längst beschrieben, ist für die Städteentwicklung von großer Bedeutung: Städtebaurecht, Programme zur Wohnumfeldvebesserung verhindern den innenstädtischen Verfall und schaffen attraktive Lebensbedingungen für die "neue Mittelklasse". Diese Entwicklung hat aber auch ein anderes Gesicht: Aus ganzen Bezirken und Straßen werden die früheren Bewohner verdrängt. Die Gentrifizierung – aus dem Englischen: Gentry = niederer Adel – spült eine Menge Snobismus und elitären Dünkel nach oben. Die amüsante Seite der neuen Entwicklung beschreibt Henning Sussebach in zeit.de in einem Artikel über den Berliner Stadtteil Prenzlauer Berg:
8. 11. 2007, Zeit.de
Prenzlauer Berg
„...den Widerstand gegen Rechte aus der linken Ecke holen“
Christian Bangel und Toralf Staud stellen in der zeit.de das Internetportal netz-gegen-nazis.de vor. Das Portal, das vor drei Monaten ins Netz gestellt worden ist, will breite Öffentlichkeit erreichen und zwar mit Information über Strukturen, Ideologie und Aktivisten der rechten Szene, sowie mit Beratung und Tipps, wie man den auch scheinbar unschuldigen Erscheinungen des Rechtsextremismus im Alltag umgehen soll.
31. 7. 2008
Die Zeit: Netz gegen Nazis
Die zeit.de widmet viel Platz dem, besonders in Ostdeutschland, immer stärker um sich greifenden Rechtsextremismus und dem sich ausbreitenden braunen Gedankengut. Analysen des Phänomens und seiner Hintergründe, Reportagen aus den Gegenden, in denen die Neonazis eine reelle Bedrohung darstellen im
Zeit-Dossier: Rechtsextremismus

1968 in Moskau
Das ganze Europa, im Westen und im Osten war im unvergessenen Jahr 1968 durch revolutionäre Bewegungen, die jeweils einen anderen Charakter und Verlauf hatten, erschüttert. Doch was davon gelang nach Russland? Die russische Dichterin Olga Martynova schreibt darüber in der Neuen Zürcher Zeitung – mit viel Witz und Ironie.
19. 7. 2008
NZZ-Zwischen Paris und Prag
Ein vergessenes Interview
Nach der Zerschlagung des Prager Frühlings 1968 führten der russische Schriftsteller Igor Pomerantsew und die Journalistin Irena Brena ein Gespräch mit Friedrich Dürrenmatt. Zum ersten Mal wird ein erhalten gebliebenes Fragment des Gesprächs in der Neuen Zürcher Zeitung von 19. Juli publiziert.
19. 7. 2008 Friedrich Dürrenmatt: „...Menschliche Dummheit ist das Problem.“
NZZ-Ich hatte ein unheimliches Gefuehl
Der fremde Eingeborene
So wie Derrida, war auch Camus im kolonialen Algerien aufgewachsen, in der Unterschicht. Beide haben unter der von Derrida so bezeichneten "Nostalgerie" gelitten. Es war eine Sehnsucht nach dem Algerien ihrer Eltern – einer Welt, die es nicht mehr gibt, einer Kultur, die weder französisch noch arabisch war. Heute, da sowohl Kolonialismus als auch Antikolonialismus aufgehoben sind, entsteht bei den Nachgeborenen ein Raum für die neue Sicht auf diese Welt. Darüber schreibt Dan Diner in der Welt.
19.7.2008
Ein fremder Eingeborener

Obama im Ausland
Barak Obama will sich in Europa vorstellen. Viele meinen, ihn zu kennen, sonst würden sie ihm nicht so große Sympathie entgegenbringen. Hunderttausende werden seiner Rede an der Siegessäule in Berlin lauschen. Die Aufregung ist groß. Nur in Europa, auf jeden Fall in Deutschland.
20.7.2008 Marcia Pally:
Frankfurter Rundschau
Mugabes Abstieg in die Hölle
Zimbabwe, eines der schönsten Länder der Erde, brauchte dringend einen bewaffneten Einsatz der UNO. Nur ein humanitäre Aktion kann das Volk vor dem Tyrannen retten. Das Land wird aus eigener Kraft seine Probleme nicht lösen können, denn seit einem Jahrzehnt verfällt Zimbabwe.
Juli 2008 Jean Ziegler:
Die Weltwoche
Gaddafi verhöhnt die Mittelmeer-Union von Sarkozy
Die Idee von Präsident Sarkozy, die europäischen Regionen auf angrenzende Interessensphären auszuweiten, stößt nicht bei allen betroffenen Ländern auf Gegenliebe. Mit der Mittelmeer-Union sollte u.a. die wirtschaftliche Lage der nordafrikanischen Länder so weit verbessert werden, dass der Strom von Flüchtlingen aus dem afrikanischen Kontinent eingedämmt werden kann.
17.7.2008
Mittelmeerunion Gaddafi-Sarkozy

Chodorkowski wendet sich an die Justiz
Präsident Medwedew hat mehrmals die Bedeutung der unabhängigen Justiz hervorgehoben. Jetzt steht er und die russische Justiz vor einer Testprobe: Die Anwälte des russischen Industriellen Chodorkowski haben den Antrag auf vorzeitige Haftentlassung gestellt.
17.7.2008
NZZ-Die Freilassung Chodorkowskis beantragt
Der verschleierte Völkermord
Ein so gut wie unbekanntes Thema, denn die Europäer haben sich über Jahrhunderte vor allem auf die eigene Schuld konzentriert. Über die Geschichte des Sklavenhandels in der muslimischen und arabischen Welt schreibt Tidiane N'Diaye in seinem Buch: Le génocide voilé, Gallimard 2008. Das Buch ist noch nicht ins Deutsche übersetzt worden, das Thema aber so interessant, dass es lohnt, es kurz vorzustellen. Es tut Ulrich Baron in der Welt, Arno Widmann in der Frankfurter Rundschau und EuropeNews.
16.7.2008
Siebzehn Millionen Tote
Hier noch ein Artikel aus der Weltwoche, zum gleichen Thema. Author, Botho Keppel bespricht das Buch Weltgeschichte der Sklaverei von Egon Flaig, C. H. Beck, 2009.
24.2.2010
Weltgeschichte der Sklaverei
Internationale Wirtschaftsbeziehungen – G8-Treffen
Parag Khanna, Mitarbeiter des politischen Think-Tanks The New America Foundation hält die G8-Treffen in einer globalisierten Welt für obsolet und plädiert für eine stärkere Rolle der Europäischen Union. Joschka Fischer schreibt von der Notwendigkeit einer neuen Zusammenarbeit, die die globalen Probleme erforderlich machen.
3.7.2008
Die Zeit - G8-Treffen
14.7.2008 Joschka Fischer: „Die G 8 sind bedeutungslos geworden. Wenn den westlichen Regierungen die Kraft zum gemeinsamen Handeln und zu einem neuen Status quo fehlt, wäre es ehrlicher, diesen entleerten Gipfelzirkus einzustellen, statt sich weiter der Lächerlichkeit preiszugeben. ...“
Fischer Kolumne
« zurück